Position zu Animal Hoarding

 

Kurzdarstellung:

Ein "Animal Hoarder" ist jemand, der Tiere in einer großen Anzahl pathologisch sammelt, aber die Tiere nicht angemessen versorgt (Futter, Wasser, Hygiene, Pflege, tieräztliche Versorgung).

Er leugnet sein Unvermögen (Unfähigkeit), den Tieren die angemessene Fürsorge zukommen zu lassen. Die Unterkunft vieler Aninal Hoarder ist unhygienisch, oft verdreckt mit Exkrementen der Tiere, anderem Müll und zum Teil liegen sogar tote und verwesende Tierkadaver herum. Oft fehlt dem Animal Hoarder die Fähigkeit selbst zu erkennen, inwelchen Umständen er/sie selbst lebt. Das gleiche gilt auch für die vom Hoarder gehaltenen Tiere. Viele Hoarder erkennen nicht, das sie die Tiere vernachlässigen und es den Tieren schlecht geht.

Es handelt sich um eine Krankheit.

Die Forschung dazu steckt noch in den Kinderschuhen. Alle verfügbaren wissenschaftlichen Informationen stammen aus den USA. In den USA wurde eine interdiszilinäre Arbeitsgruppe gegründet, die sich mit dem Krankheitsbild des "Animal Hoarding" beschäftigt. Die Arbeitsgruppe heißt Hording of Animals Research Consortium", kurz HARC.

Über die Therapie ist noch fast nichts bekannt. Psychiatrische Langzeitbehandlungen sind nötig, die genau auf das Krankheitsbild des Einzelnen abgestimmt sein müssen. Ohne Therapie: wird die Rückfallswahrscheinlichkeit nach Wegnahme der Tiere auf 100% geschätzt.

Kurzdarstellung einzelner wissenschaftlicher Ergebnisse:

  1. Patronek G. J., Public Health Report 1999 jan-feb
    Titel: Hoarding of animals: an under-recognized public health problem in a difficultto-
    study population

Der Autor wertet 54 Fälle aus:

  1. Berry C., Patronek G.J., Lockwood R., Animal Law, 2005- Vol: 11/167
    Titel: Long-Term outcomes in animal hoarding cases

Sichtung von 210 elektronischen Zeitungsartikeln aus den Jahren 2001/2002, die vom Hoarding of Animal Research Consortium (HARC) gesammelt wurden. Davon konnten 133 ausgewertet werden. Zusatz-informationen erhielten die Autoren in 56 der 133 Fälle (aus 26 Staaten der USA).

  1. Patronek G.J., Loar L., Nathanson J. N., Tagungsband (2006)
    Titel: Animal Hoarding –Structuring interdisciplinary responses to help people, animals
    and communities at risk

Einzelne wichtige Kernaussagen

Ursachen: noch weitgehend unbekannt (es wird vermutet, dass Kindheitstraumen, wie z.B. Vernachlässigung eine Rolle spielen könnten)

  1. Andere wissenschaftliche Veröffentlichungen um das Thema Animal Hoarding
    MEDIEN:

Arluke et. al. (2002): Press Reports of Animal Hoarding
Artikel beleuchtet die Rolle der Medien. Wie stellen Medien (Zeitungen) "Animal Hoarding" dar. Die Artikel sprechen die Gefühle der Leser an. Sie stellen kein korrektes Bild dar. Fünf emotionale Strategien konnten identifiziert werden:

  1. Drama: Darstellung als dramatische Kriminalstory; Krimi fängt immer an zum Zeitpunkt der überraschenden Entdeckung einer großen Anzahl Tiere, die leiden oder tot sind. Darstellung der dramatischen Rettung der Opfer.
  2. Ekel: Darstellung der katastrophalen Lebens- und Wohnsituation des Hoarders (Tierschutzsituation tritt zurück)
  3. Sympathie: Ein Teil der Artikel vermittelt Sympathie für den Hoarder ("a nice woman who needs a little help")
  4. Empörung: Oftmals ironische Schreibweise; v. a. dann, wenn die Hoarder eigentlich gebildet sind (z.B. Darstellung eines Pfarrers, der Hoarder ist; oder "Pferdefrau", die sogar einen Preis bekommen hat)
  5. Humor: z.B. witzige Darstellung, wie der Hoarder 13 Jahre Katz und Maus mit den Behörden spielte.

RECHTFERTIGUNGSSTRATEGIEN DER HOARDER:

Vaca-Guzman und Arluke (2005): Normalizing passive cruelty: The excuses and justifications of animal hoarders

Es konnten immer wieder die gleichen Strategien festegestellt werden, wie Hoarder ihre Handlungen darstellen. Es gibt zwei Strategien: Rechtfertigungs- (einschl. Ablehnung) und Entschuldigungsstrategien.

Rechtfertigung:

Entschuldigungsstrategien:
Hier werden die negativen Auswirkungen zwar eingeschränkt zugegeben, aber die volle Verantwortung dafür abgelehnt.

Hoarder neigen zu einer festen Strategie, wie sie selbst ihr Problem darstellen. Diese Strategien brauchen die Hoarder, um ihre Illusion aufrecht zu erhalten, da die Tiere für sie wichtiger Bestandteil ihres Lebens, mit dem sie sich identifizieren, sind. Es ist wichtig, dass Experten und Behörden, die mit Animal Hoarding konfrontiert sind, die "Logik" des Hoarders verstehen.

Zukünftige Forschung: Umgang mit der "Hoarder Logik", um den Menschen und damit den Tiere zu helfen; in wieweit glauben die Hoarders wirklich, was sie sagen.

Schlussfolgerungen / Forderungen aus den Studien im Hinblick auf den Tierschutz:

Schnelles Handeln:
Oft werden jahrelang durch Veterinärämter Auflagen etc. erteilt. Die Untersuchungen zeigen, dass das Problem dadurch NICHT lösbar ist; Bußgelder, Tierzahlbegrenzung und auch Tierhalteverbote – ohne Therapie des Hoarders – laufen ins Leere.

Es handelt sich um eine ernst zu nehmende Krankheit. Ohne Therapie löst sich das Problem nicht.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist zum Wohl von Mensch und Tier nötig (z.B. Fall Schwinn/Moorenmühle – Aussage Herr Dr. Stadtfeld: 2die Gedankengänge der Schwinns haben wir nicht zu vertreten, wir scheren uns aber auch nicht darum").

Gerichte müssen das Problem ernst nehmen und entsprechende Entscheidungen treffen (auch zeitnahe Entscheidungen: z.B. im Fall Schwinn / Moorenmühle - vorläufiges Tierhalteverbot aus Jahr 2002 / im Jahr 2006 immer noch keine Hauptverhandlung!)

Daraus ergibt sich die dringende Forderung nach

Schlimmster Fall:
Tierschutzfall "Moorenmühle" / Familie Schwinn
Betroffen: über 500 Hängebauchschweine, ca. 300 Pferde, mehrere Hundert andere Tiere (Ziegen, Schafe, Lamas, Geflügel)
Näheres zu dem Fall sowie anderen Fällen finden Sie unter www.tierschutzbund.de sowie in unserer Verbandszeitschrift "du und das tier"

Quelle: Deutscher Tierschutzbund e.V.

 

Impressum

Zurück zur Hauptseite